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Jobs als Gärtner in Deutschland: Fachrichtung, Sachkunde und GaLaBau-Tarif

· 10 Min. Lesezeit
Ein Gärtner schneidet eine Hecke in einem gepflegten Garten

Drei Anzeigen, in allen dreien steht dasselbe Wort. Ein Betrieb im Rheinland sucht einen „Landschaftsgärtner für die Pflegekolonne, Führerschein BE, Erfahrung mit Aufsitzmäher“. Ein Unternehmen bei Stuttgart schreibt einen „Gärtner Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau, Schwerpunkt Neuanlage, Pflaster- und Erdarbeiten, Minibagger“ aus. Eine Gärtnerei im Umland sucht einen „Gärtner Fachrichtung Zierpflanzenbau, Topfkultur, Klimasteuerung im Gewächshaus“.

Das sind drei völlig verschiedene Arbeitstage, drei verschiedene Körperbelastungen und drei verschiedene Karrierewege. Der Unterschied steckt in einem Wort, das viele Bewerber überlesen: Fachrichtung. Dieser Ratgeber geht durch das, was in Deutschland tatsächlich über eine Stelle entscheidet — die sieben Fachrichtungen, der Unterschied zwischen Neuanlage und Pflege, die Nachweise, die Fahrerlaubnis, der Tarif, der Winter und die Unfallversicherung, die in diesem Beruf eine andere ist als anderswo.

Die sieben Fachrichtungen: der wichtigste Satz der Anzeige

Gärtner ist ein anerkannter Ausbildungsberuf, der über drei Jahre dual gelernt wird — im Betrieb und in der Berufsschule, mit Zwischenprüfung und Gesellenprüfung vor der zuständigen Stelle des Bundeslandes, meist der Landwirtschaftskammer. Die Ausbildung teilt sich in sieben Fachrichtungen. Sie sind keine Nuance des gleichen Handwerks, sondern beschreiben, ob Sie auf Baustellen, in einer Produktionsgärtnerei, in einer Baumschule oder auf dem Friedhof stehen.

Die sieben Fachrichtungen des Ausbildungsberufs Gärtner. Die Anzeige nennt sie fast immer im Titel oder im ersten Absatz; fehlt sie, fragen Sie danach, bevor Sie über Geld sprechen.
FachrichtungWie der Arbeitstag aussiehtWas Anzeigen oft verlangen
Garten- und LandschaftsbauPrivatgärten, Wohnanlagen, Firmengelände, Schulhöfe, Spielplätze und öffentliches Grün: Neuanlage und Pflege im Freien, dazu ein erheblicher Bauanteil.Führerschein B, sehr oft BE oder Schlüsselzahl 96; Aufsitzmäher, Freischneider, Rüttelplatte, Minibagger; Baustellenerfahrung.
ZierpflanzenbauProduktion von Topf-, Beet- und Schnittpflanzen im Gewächshaus und im Freiland, nach Kulturplan und Liefertermin.Kulturkenntnis, Klima- und Bewässerungssteuerung, Düngung, Pflanzenschutz-Sachkunde, Schichtbereitschaft in Spitzenzeiten.
BaumschuleAnzucht und Verkauf von Gehölzen: Vermehrung, Veredeln, Schnitt, Verpflanzen, Ballen- und Containerware.Gehölzkenntnis mit botanischen Namen, Schnittsicherheit, Ladetechnik, Staplerbefähigung, Sachkunde.
StaudengärtnereiVermehrung und Anzucht mehrjähriger Stauden, Sortimentspflege, Versand an Handel und Landschaftsbau.Sorten- und Vermehrungskenntnis, sauberes Sortieren, Genauigkeit bei Etikettierung und Kommissionierung.
GemüsebauFreiland- und Unterglasgemüse: Aussaat, Kultur, Ernte, Aufbereitung und Vermarktung, stark saisonal getaktet.Maschinen- und Erntetechnik, Hygiene- und Dokumentationsdisziplin, Sachkunde, Bereitschaft für lange Erntewochen.
ObstbauObstanlagen: Erziehungs- und Winterschnitt, Ausdünnen, Ernte, Sortierung und Lagerung.Sichere Schnitttechnik, Sachkunde, Stapler und Schmalspurschlepper, Erfahrung mit Lagertechnik.
FriedhofsgärtnereiGrabanlage und Dauergrabpflege, Wechselbepflanzung, Grabmalumfeld, viel direkter Kundenkontakt.Zuverlässigkeit bei festen Terminen, Wechselflorkenntnis, Umgangsform mit Trauernden, häufig Wochenenddienste.

Die mit Abstand meisten Anzeigen mit dem Wort „Gärtner“ meinen den Garten- und Landschaftsbau, kurz GaLaBau. Das ist die Branche mit den Baustellen, den Maschinen und den Kolonnen — und sie ist in sich noch einmal geteilt.

Neuanlage oder Pflege: zwei Berufe unter einem Titel

Diese Unterscheidung entscheidet über Ihren Rhythmus, Ihre Maschinen, Ihre Saison und Ihren Aufstieg. Viele Bewerber fragen erst danach, wenn sie am ersten Montag mit der Rüttelplatte statt mit dem Heckenschneider dastehen.

Die zwei Hälften des Garten- und Landschaftsbaus. Größere Betriebe machen beides und versetzen zwischen den Kolonnen; kleinere machen nur eine Hälfte.
PflegeNeuanlage
Die ArbeitMähen, Heckenschnitt, Gehölz- und Staudenpflege, Wildkrautentfernung, Laub, Wechselflor, Bewässerung, Winterdienst.Erdarbeiten, Planum und Nivellement, Entwässerung und Drainage, Pflasterarbeiten, Mauern und Treppen, Zäune, Teiche, Rasenansaat und Rollrasen, Pflanzung, Bewässerungsanlagen.
Der RhythmusWiederkehrende Touren nach Pflegevertrag, mehrere Objekte am Tag, planbar, viel Fahrzeit.Ein Objekt über Tage bis Wochen, Gewerke nacheinander, Termindruck zum Übergabetermin.
Die MaschinenAufsitzmäher und Rasentraktor, Handmäher, Freischneider, Heckenschere auch auf Teleskopstiel, Laubbläser, Vertikutierer, Häcksler, Motorsäge.Minibagger und Radlader, Rüttelplatte und Stampfer, Trennschleifer, Rotationslaser, Plattenheber, Mischer, Verdichtungs- und Vermessungsgerät.
Die KundenWohnungsgesellschaften, Hausverwaltungen, Kommunen, Firmensitze, Privatkunden mit Pflegevertrag.Private Bauherren, Architektur- und Planungsbüros, Bauträger, öffentliche Auftraggeber nach Ausschreibung.
Die SaisonSpitze von März bis Oktober, im Winter Schnitt, Winterdienst und Werkstattarbeit.Gleichmäßiger; Erd- und Pflasterarbeiten laufen auch außerhalb der Vegetationszeit, solange der Boden nicht gefroren ist.
Was Sie weiterbringtPflanzenkenntnis, Schnittzeitpunkte, selbstständige Tourenplanung, Kundengespräch am Objekt.Planlesen, Absteckung und Höhen, Maschinenführung, Pflasterqualität, Bewässerungstechnik mit Steuergerät und Magnetventilen.

Wenn Sie einsteigen, lernen Sie in der Pflege die Pflanzen, das Tempo und den Umgang mit Kunden. Wenn Sie beim Mindestlohn festhängen, liegt das Geld auf der anderen Seite: Maschinenführung, Pflaster- und Mauerbau sowie Bewässerungstechnik sind die drei Fähigkeiten, für die Betriebe am längsten suchen.

Ausbildung, Quereinstieg und ausländische Abschlüsse

Die reguläre Ausbildung dauert drei Jahre. Für Erwachsene gibt es die Umschulung, die bei Vorliegen der Voraussetzungen von der Agentur für Arbeit oder vom Jobcenter gefördert werden kann — fragen Sie dort ausdrücklich nach einer Förderung, bevor Sie einen Kurs selbst bezahlen.

Der dritte Weg wird selten genannt und ist für Menschen mit langer Praxis der kürzeste: die Zulassung zur Gesellenprüfung als Externer. Wer über eine deutlich längere Zeit als die Ausbildungsdauer einschlägig im Beruf gearbeitet hat, kann bei der zuständigen Stelle beantragen, direkt zur Prüfung zugelassen zu werden. Sie brauchen dafür Nachweise über die Tätigkeit — Arbeitszeugnisse, Bescheinigungen, Tätigkeitsbeschreibungen. Wer seit Jahren als Helfer in einer Kolonne arbeitet, sollte diese Papiere sammeln, statt sie am Ende jedes Arbeitsverhältnisses liegen zu lassen.

Haben Sie im Ausland Gärtner gelernt, gilt: Der Beruf ist nicht reglementiert. Sie dürfen ohne jede Anerkennung arbeiten. Die Gleichwertigkeitsprüfung ist trotzdem sinnvoll, weil der Bescheid das einzige Papier ist, mit dem Sie im Gespräch über die Lohngruppe argumentieren können. Zuständig ist die Stelle Ihres Bundeslandes; die Beratungsstellen für Anerkennung helfen kostenlos bei der Antragstellung.

Der Weg nach oben

Die Stufen sind im GaLaBau klar benannt und tauchen genau so in Anzeigen auf: vom Gesellen zum Vorarbeiter oder Kolonnenführer, der eine Kolonne führt und dem Chef gegenüber Rechenschaft über den Baufortschritt ablegt; weiter zum Werkpolier; dann zum Gärtnermeister der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau oder zum staatlich geprüften Techniker; darüber liegen Bauleitung, Kalkulation und das Studium in Landschaftsbau oder Landschaftsarchitektur. Jede dieser Stufen ändert die Eingruppierung, nicht nur die Visitenkarte.

Lassen Sie die Stellen zu Ihnen kommen

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Der Pflanzenschutz-Sachkundenachweis

Wer Pflanzenschutzmittel beruflich anwendet, darüber berät oder sie abgibt, braucht den Sachkundenachweis. Wer ausschließlich mäht, schneidet, pflanzt und pflastert, braucht ihn nicht — weshalb längst nicht jede GaLaBau-Stelle ihn verlangt. Steht er in der Anzeige, sagt das etwas über das Objekt: Sportplätze, Golfanlagen, Produktionsgärtnereien, Obstanlagen oder die Bekämpfung invasiver Arten.

Drei Punkte, die immer wieder falsch verstanden werden:

  • Ein einschlägiger Berufsabschluss bringt ihn in der Regel mit. Wer keinen hat, legt eine Sachkundeprüfung bei der zuständigen Stelle ab. Ausgestellt wird eine Karte im Scheckkartenformat, die Sie bei Kontrollen vorzeigen müssen.
  • Es gilt eine Fortbildungspflicht in Dreijahresrhythmen. In jedem Fortbildungszeitraum ist eine anerkannte Fortbildung zu besuchen. Wer das verpasst, steht bei der nächsten Kontrolle ohne gültige Sachkunde da — und der Betrieb mit ihm.
  • Auch Mittel für den ökologischen Landbau sind Pflanzenschutzmittel. „Bio“ auf dem Kanister hebt die Sachkundepflicht nicht auf.

Nicht Ihre Sache, sondern die des Betriebs sind zwei weitere Pflichten, nach denen Sie aber fragen sollten: die Genehmigung für Anwendungen auf Nicht-Kulturland — also auf befestigten und versiegelten Flächen wie Wegen, Hofeinfahrten und Parkplätzen, wo die Anwendung grundsätzlich verboten ist und nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt — und die wiederkehrende Prüfung der Spritzgeräte mit Prüfplakette. Ein Betrieb, der Sie mit einem ungeprüften Gerät auf eine Hofeinfahrt schickt, schiebt Ihnen ein Risiko zu, das nicht Ihres ist.

Motorsäge, Höhe und die Grenze zur Baumpflege

Einen „Motorsägenschein“ im Sinne eines Führerscheins gibt es nicht. Es gibt aber die Pflicht des Arbeitgebers, Sie für den Umgang mit der Motorsäge ausbilden zu lassen, und dafür haben sich modulare Lehrgänge durchgesetzt: ein Grundmodul für Schnitt- und Fälltechnik am liegenden und stehenden Holz, darauf aufbauend die Module für Arbeiten am und im Baum. Die Träger sind Berufsgenossenschaften, Waldbesitzerverbände und private Anbieter; der Betrieb bezahlt.

Wer im Baum arbeitet, übt einen anderen Beruf aus. Die seilunterstützte Zugangs- und Positionierungstechnik wird gesondert ausgebildet, für Baumkontrolle und Baumsanierung gibt es weiterführende Abschlüsse wie den European Tree Worker oder den Fachagrarwirt Baumpflege und Baumsanierung, und für die Beurteilung der Verkehrssicherheit von Bäumen existiert ein eigenes Regelwerk der Fachgesellschaften. Drei Regeln stehen darüber und sind nicht verhandelbar: technische Schutzmaßnahmen wie die Hubarbeitsbühne haben Vorrang vor dem Klettern; im Baum arbeitet niemand allein; und es muss ein Rettungskonzept geben, bevor der erste Schnitt fällt.

Für die Hubarbeitsbühne selbst brauchen Sie eine Bedienerschulung und eine schriftliche Beauftragung durch den Betrieb — dieselbe Logik gilt für Bagger, Radlader und Stapler: die Befähigung wird geschult und geprüft, die Beauftragung erteilt der Arbeitgeber schriftlich.

Führerschein, Anhänger und Maschinen

„Führerschein Klasse B“ steht in fast jeder Anzeige und reicht in diesem Beruf selten aus. Rechnen Sie nach, bevor Sie zusagen:

  • Klasse B: Anhänger bis 750 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse, oder schwerer, solange Zugfahrzeug und Anhänger zusammen unter 3.500 Kilogramm bleiben.
  • Schlüsselzahl 96: Kombination bis 4.250 Kilogramm. Eine Schulung ohne Prüfung, die als Eintrag in den Führerschein kommt — der günstigste und schnellste Schritt.
  • Klasse BE: Anhänger bis 3.500 Kilogramm, mit praktischer Prüfung. Das ist die Klasse für Tieflader mit Minibagger.
  • Klasse C1 oder C1E: für schwerere Fahrzeuge oberhalb von 3,5 Tonnen, bei größeren Betrieben mit Kipper und Absetzer gefragt.
  • Klasse T: gilt für land- und forstwirtschaftliche Zwecke — sie deckt eine Landschaftsbau-Baustelle nicht automatisch ab. Diese Verwechslung kostet regelmäßig den Versicherungsschutz.

Die Praxis: Ein Transporter mit 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse und ein Anhänger mit Aufsitzmäher, Freischneider, Laubbläser und Grünschnittsäcken überschreiten die erste Grenze regelmäßig. Klären Sie die Fahrzeugkombination im Vorstellungsgespräch, und lassen Sie sich schriftlich geben, wer die Schulung für Schlüsselzahl 96 oder Klasse BE bezahlt, wenn die Stelle sie voraussetzt.

Was Sie verdienen: Mindestlohn, Tarif und die Zeilen daneben

Die absolute Untergrenze ist der gesetzliche Mindestlohn. Er beträgt seit dem 1. Januar 2026 13,90 Euro brutto je Stunde und wird regelmäßig angepasst; prüfen Sie den aktuellen Wert, bevor Sie über ein Angebot entscheiden. Über dieser Grenze regiert der Tarif.

Für den Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau schließen der Arbeitgeberverband der Branche und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt Tarifverträge ab: ein Rahmentarifvertrag für Arbeitszeit, Zuschläge und Urlaub sowie Lohntarifverträge mit Lohngruppen. Die Lohngruppe bildet ab, was Sie tatsächlich tun — vom angelernten Helfer über den Facharbeiter bis zum Vorarbeiter und Werkpolier. Historisch gab es getrennte Tabellen für West und Ost; die Angleichung war über Jahre ein eigenes Verhandlungsthema.

Der entscheidende Punkt wird selten erklärt: Der Tarif gilt nicht automatisch für Sie. Er greift, wenn Ihr Betrieb im Arbeitgeberverband organisiert ist und Sie Gewerkschaftsmitglied sind, oder wenn Ihr Arbeitsvertrag ausdrücklich auf den Tarifvertrag Bezug nimmt. Stellen Sie deshalb zwei Fragen und lassen Sie die Antwort in den Vertrag schreiben: Ist der Betrieb tarifgebunden? und In welche Lohngruppe werde ich eingruppiert? Zwei Angebote mit demselben Stundensatz sind nicht dasselbe, wenn eines an einer Tabelle hängt, die weiterverhandelt wird, und das andere am gesetzlichen Minimum klebt.

Und dann sind da die Zeilen, die nie im Stundensatz stehen und über ein Jahr gerechnet den Unterschied machen:

  • Ab wann läuft die Arbeitszeit? Der Weg von zu Hause zum Betriebshof ist Ihre Sache; die Fahrt vom Betriebshof zur Baustelle ist in aller Regel Arbeitszeit. Das gehört in den Vertrag, nicht in eine mündliche Zusage.
  • Auslöse und Verpflegungsmehraufwand bei auswärtigen Baustellen, dazu Übernachtung bei Montagearbeit.
  • Werkzeug, Fahrzeug und persönliche Schutzausrüstung vom Betrieb — Schnittschutzhose, Helm mit Visier und Gehörschutz, Sicherheitsschuhe. Das kostet über ein Jahr mehrere Hundert Euro, die nirgends auf der Abrechnung auftauchen.
  • Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, betriebliche Altersvorsorge — tariflich meist besser als das gesetzliche Minimum.
  • Zuschläge für Überstunden, Samstags- und Winterdienstarbeit sowie die Behandlung von Rufbereitschaft.

Saison, Schlechtwetterzeit und Winterdienst

Dieser Beruf lebt im Takt der Vegetation, und eine deutsche Regel strukturiert das Jahr stärker als jeder Auftragsplan: Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet vom 1. März bis zum 30. September den radikalen Rückschnitt von Hecken, lebenden Zäunen und Gebüschen. Erlaubt bleiben schonende Form- und Pflegeschnitte, um den Zuwachs zu entfernen. Praktisch heißt das: Der starke Schnitt gehört in den Winter, und im Sommer schneiden Sie in Form. Wer diese Regel kennt und sie einem Kunden erklären kann, der „die Hecke im Juni kurz gemacht“ haben möchte, hebt sich im Gespräch sofort ab.

Der zweite Punkt ist der, über den kaum jemand mit Bewerbern spricht, und er entscheidet über Ihr Jahreseinkommen mehr als der Stundensatz: die Schlechtwetterzeit vom 1. Dezember bis zum 31. März. Für diesen Zeitraum existiert das Saison-Kurzarbeitergeld. Fällt Arbeit witterungs- oder auftragsbedingt aus, kann der Betrieb es in Anspruch nehmen, statt Sie im November zu entlassen und im März neu einzustellen. Für Sie ist das ein grundsätzlicher Unterschied: Beschäftigung, Betriebszugehörigkeit und Kündigungsschutz laufen weiter, und Sie müssen sich nicht jeden Winter arbeitslos melden.

Daneben stehen betriebliche Werkzeuge, die Sie ebenfalls vor der Unterschrift klären sollten. Jahresarbeitszeitkonten erlauben es, in der Hochsaison über die Regelarbeitszeit hinauszugehen und im Winter abzubauen — fragen Sie, wie viele Plusstunden das Konto zulässt, was bei Überschreitung passiert und wann ausgezahlt wird. Der Winterdienst hält viele Pflegekolonnen durch den Winter, bringt aber Rufbereitschaft mit Einsätzen nachts und in den frühen Morgenstunden; lassen Sie sich erklären, wie Bereitschaft und tatsächlicher Einsatz jeweils vergütet werden. Und Betriebe, die Neuanlage und Pflege zugleich machen, haben über den Winter schlicht mehr Arbeit als reine Pflegebetriebe.

Die ehrlichste Frage im Vorstellungsgespräch lautet deshalb: „Wie ist der letzte Winter hier gelaufen?“ Ein Betrieb mit einer klaren Antwort hat ein System. Ein Betrieb, der ausweicht, entlässt vermutlich im November.

SVLFG: warum Ihre Unfallversicherung eine andere ist

Eine Besonderheit, die viele erst nach dem ersten Arbeitsunfall bemerken: Für gärtnerische Betriebe ist die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung — nicht die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Bei Betrieben mit überwiegend baulichem Charakter kann die Zuordnung anders ausfallen; fragen Sie im Betrieb nach, wer zuständig ist, und merken Sie es sich, bevor Sie es brauchen.

Wichtig ist dabei die Abgrenzung, die im Ausland gelernte Kolleginnen und Kollegen oft überrascht: Nur die Unfallversicherung ist agrarisch. Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung laufen wie bei allen anderen Beschäftigten — Ihre gesetzliche Krankenkasse wählen Sie frei, Ihre Rente läuft über die Deutsche Rentenversicherung. Die landwirtschaftliche Krankenkasse ist für Selbstständige in der Landwirtschaft da, nicht für Angestellte im Landschaftsbau.

Praktisch heißt das im Ernstfall: Melden Sie jeden Arbeitsunfall im Betrieb, lassen Sie ihn dokumentieren und gehen Sie zum Durchgangsarzt — auch bei einer Verletzung, die klein aussieht. Eine Schnittverletzung am Knie, die drei Jahre später zum Problem wird, lässt sich ohne Unfallmeldung nicht mehr zuordnen. Derselbe Träger bietet im Übrigen Präventionsangebote und Motorsägenlehrgänge an, auf die Sie Ihren Betrieb ansprechen können.

Niemand Seriöses lässt Sie dafür bezahlen, dass Sie arbeiten dürfen. Keine Kaution für Werkzeug, keine „Bearbeitungsgebühr“, und vor allem keine persönliche Schutzausrüstung auf Ihre Rechnung: Schnittschutzhose, Helm, Gehörschutz und Sicherheitsschuhe trägt der Betrieb. Seien Sie misstrauisch, wenn ein Auftraggeber verlangt, dass Sie ein Gewerbe anmelden, um dann doch wie ein Angestellter zu arbeiten — feste Zeiten, Fahrzeug und Material des Betriebs, Kunden des Betriebs, Anweisungen vom Kolonnenführer. Das ist Scheinselbstständigkeit, und das Risiko bei einem Unfall tragen Sie. Lehnen Sie Arbeit ohne Anmeldung auch für ein paar Tage ab: Ohne Meldung gibt es keinen Unfallversicherungsschutz, kein Krankengeld und keine Rentenzeiten. Und schicken Sie weder Kontodaten noch Ausweiskopie noch Sozialversicherungsnummer, bevor Sie eine schriftliche Zusage eines Betriebs haben, dessen Anschrift und Registereintrag Sie geprüft haben.

Eine Stellenanzeige Zeile für Zeile lesen

  • „Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau“. Der wichtigste Satz. Fehlt die Fachrichtung, fragen Sie danach, bevor Sie über alles andere sprechen.
  • „Pflege“ oder „Neuanlage“. Steht es nicht da, fragen Sie, wie die Woche aufgeteilt ist. Die Antwort „mal so, mal so“ bedeutet meist: beides, je nach Auftragslage.
  • „Führerschein B, BE von Vorteil“. Sie werden ziehen. Lassen Sie die Fahrzeugkombination benennen und klären Sie, wer die Schulung zahlt.
  • „Pflanzenschutz-Sachkunde erwünscht“. Es wird gespritzt. Fragen Sie, auf welchen Flächen, ob eine Genehmigung für Nicht-Kulturland vorliegt und wann die Spritzgeräte zuletzt geprüft wurden.
  • „Kolonnenführer“ oder „Vorarbeiter“. Sie führen ein Team und verantworten den Baufortschritt. Fragen Sie nach Teamgröße, Vollmachten und der vorgesehenen Lohngruppe.
  • „Baggerschein“ oder „Erfahrung Minibagger“. Neuanlage. Ohne Befähigungsnachweis können Sie eingestellt werden, aber nicht fahren — klären Sie, ob der Betrieb ausbildet.
  • „Winterdienst im Rahmen der Rufbereitschaft“. Nacht- und Wochenendeinsätze. Lassen Sie Bereitschaft und Einsatz getrennt vergüten und schriftlich festhalten.
  • „Baumpflege, Kletterarbeiten“. Ein anderer Beruf. Ohne ein Wort zu Ausbildung, Rettungskonzept und Ausrüstung ist die Anzeige ein Warnzeichen.
  • Was nicht dasteht. Beginn und Ort des Arbeitstags, Auslöse, Fahrzeit, Arbeitszeitkonto und der Umgang mit dem Winter. Diese Punkte wiegen zusammen schwerer als fünfzig Cent Stundenlohn.

Ein Lebenslauf, den ein Kolonnenführer in fünf Sekunden liest

Wer Ihre Bewerbung liest, hat eine Kolonne zu besetzen und will wissen, ob Sie am Montag früh einsatzfähig sind. Schreiben Sie das nach oben.

  • Zeile eins: Fahrerlaubnis und Anhänger. Klasse B, Schlüsselzahl 96 oder BE, eigener Pkw, Mobilität. Ohne diese Zeile kommen Sie nicht vom Betriebshof herunter.
  • Zeile zwei: Fachrichtung und Abschluss. „Gärtner, Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau“ oder, bei ausländischem Abschluss, die Bezeichnung plus Hinweis auf eine laufende oder abgeschlossene Gleichwertigkeitsprüfung.
  • Zeile drei: Nachweise mit Jahreszahl. Pflanzenschutz-Sachkunde mit letzter Fortbildung, Motorsägenmodule, Bedienerschulung Hubarbeitsbühne, Erdbaumaschinen, Ersthelfer. Ohne Datum ist ein Nachweis wertlos.
  • Zeile vier: Maschinen, konkret. Aufsitzmäher, Freischneider, Teleskopheckenschere, Motorsäge, Minibagger mit Tonnage, Radlader, Rüttelplatte, Häcksler, Rotationslaser, Bewässerungssteuerung mit Magnetventilen.
  • Zeile fünf: Zahlen statt Firmennamen. „Pflegetour mit 18 Wohnanlagen“ oder „900 Quadratmeter Pflasterfläche, 400 laufende Meter Hecke“ sagt alles. Der Name des Betriebs sagt nichts.
  • Zeile sechs: Pflanzenkenntnis. Botanische Namen, Schnittzeitpunkte, Erziehungs-, Erhaltungs- und Verjüngungsschnitt, Erkennen häufiger Schadbilder. Das ist die seltenste und die am seltensten aufgeschriebene Fähigkeit.
  • Und eine nennbare Referenz. Ein erreichbarer Vorarbeiter oder Bauleiter wiegt mehr als jedes Zeugnis: In diesem Beruf sieht man eine falsch geschnittene Hecke zwei Jahre lang.

Wenn Sie für Privatkunden arbeiten, lohnt sich außerdem ein Eintrag im Verzeichnis der Dienstleister oft mehr als zehn Bewerbungen an Betriebe.

Wo Sie Gärtner-Stellen auf Hirovo finden

Die Anzeigen sind nach Land, Bundesland und Regierungsbezirk sortiert, damit Sie dort suchen, wo ein Arbeitsbeginn um 7 Uhr am Betriebshof realistisch ist.

Kurz zusammengefasst

„Gärtner gesucht“ ist in Deutschland keine Stellenbeschreibung, sondern eine Sammelbezeichnung für sieben Fachrichtungen — und innerhalb des Garten- und Landschaftsbaus noch einmal für zwei sehr unterschiedliche Hälften. Klären Sie beides, bevor Sie über Geld sprechen.

Lassen Sie vor der Unterschrift vier Dinge schriftlich festhalten: die Lohngruppe und ob der Betrieb tarifgebunden ist, den Beginn der Arbeitszeit samt Fahrzeit ab Betriebshof, den Umgang mit dem Winter — Saison-Kurzarbeitergeld, Arbeitszeitkonto, Winterdienst —, und wer welche Qualifikation bezahlt, vom Anhänger über die Maschine bis zur Sachkunde. Und setzen Sie in Ihre Bewerbung die Fahrerlaubnis, die Fachrichtung und die Nachweise mit Jahreszahl nach oben: Das ist der Teil, den wirklich jeder liest.

Häufige Fragen

Was bedeutet „Fachrichtung“ in einer Gärtner-Stellenanzeige?

Gärtner ist in Deutschland ein anerkannter Ausbildungsberuf mit sieben Fachrichtungen: Garten- und Landschaftsbau, Zierpflanzenbau, Baumschule, Staudengärtnerei, Gemüsebau, Obstbau und Friedhofsgärtnerei. Das ist keine Formalie, sondern die Beschreibung von sieben unterschiedlichen Arbeitstagen. Im Garten- und Landschaftsbau sind Sie bei Wind und Wetter auf Baustellen und Pflegeobjekten unterwegs, pflastern, baggern, mähen und schneiden. Im Zierpflanzenbau stehen Sie in einer Produktionsgärtnerei mit Klimasteuerung, Bewässerung und Kulturplänen. In der Baumschule veredeln und verpflanzen Sie Gehölze, in der Friedhofsgärtnerei arbeiten Sie mit Kunden und Wechselflor unter festen Terminen. Lesen Sie die Anzeige deshalb immer bis zu dem Punkt, an dem die Fachrichtung genannt wird, und fragen Sie nach, wenn sie fehlt — sie entscheidet mehr über Ihren Alltag als der Stundenlohn.

Brauche ich den Pflanzenschutz-Sachkundenachweis als Landschaftsgärtner?

Nur, wenn Sie Pflanzenschutzmittel beruflich anwenden, darüber beraten oder sie abgeben. Wer ausschließlich mäht, schneidet, pflanzt und pflastert, braucht ihn nicht. Sobald aber gespritzt oder gestreut wird — auch mit Mitteln, die für den ökologischen Landbau zugelassen sind —, verlangt das Pflanzenschutzrecht den Sachkundenachweis. Sie erwerben ihn in der Regel automatisch mit einem einschlägigen Berufsabschluss oder über eine Sachkundeprüfung bei der zuständigen Stelle Ihres Bundeslandes; ausgestellt wird eine Karte im Scheckkartenformat. Wichtig ist die Fortbildungspflicht: In jedem Fortbildungszeitraum von drei Jahren müssen Sie eine anerkannte Fortbildung besuchen, sonst gilt die Sachkunde nicht mehr als fortbestehend. Zwei Dinge werden häufig verwechselt: Der Nachweis gehört Ihnen persönlich, die Genehmigung für Anwendungen auf Nicht-Kulturland und die vorgeschriebene wiederkehrende Prüfung der Spritzgeräte sind Sache des Betriebs.

Reicht der Führerschein Klasse B, um den Anhänger des Betriebs zu ziehen?

Oft nicht. Mit der Klasse B allein ziehen Sie einen Anhänger bis 750 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse, oder einen schwereren Anhänger, solange die Kombination aus Zugfahrzeug und Anhänger 3.500 Kilogramm nicht überschreitet. Darüber hinaus bis 4.250 Kilogramm brauchen Sie die Schlüsselzahl 96, die Sie über eine Schulung ohne Prüfung bekommen. Noch schwerer wird es die Klasse BE mit praktischer Prüfung. Ein voll beladener Transporter mit einem Anhänger, auf dem ein Aufsitzmäher steht, reißt die erste Grenze schnell; ein Tieflader mit Minibagger reißt sie praktisch immer. Rechnen Sie die zulässigen Gesamtmassen aus dem Fahrzeugschein zusammen, bevor Sie im Vorstellungsgespräch zusagen, und klären Sie schriftlich, wer die Schulung bezahlt. Die Klasse T ist kein Ersatz: Sie gilt für land- und forstwirtschaftliche Zwecke, nicht automatisch für Landschaftsbau-Baustellen.

Was passiert im Winter — werde ich einfach entlassen?

Das war früher üblich und ist es heute nicht mehr überall. Für die Schlechtwetterzeit vom 1. Dezember bis 31. März gibt es das Saison-Kurzarbeitergeld: Fällt Arbeit witterungs- oder auftragsbedingt aus, kann der Betrieb diese Leistung in Anspruch nehmen, statt Sie zu entlassen und im Frühjahr neu einzustellen. Für Sie ist das ein großer Unterschied, denn Betriebszugehörigkeit, Urlaubsanspruch und Kündigungsschutz laufen weiter. Dazu kommen betriebliche Werkzeuge: Jahresarbeitszeitkonten, auf denen Sie im Sommer Plusstunden aufbauen und die im Winter abgebaut werden, sowie Winterdienst und Baumschnitt als Winterarbeit. Fragen Sie im Gespräch ganz konkret, wie der letzte Winter gelaufen ist, ob Kollegen entlassen wurden, wie viele Plusstunden das Konto zulässt und wann sie ausgezahlt werden.

Kann ich ohne Ausbildung oder mit einem ausländischen Abschluss als Gärtner arbeiten?

Ja. Gärtner ist kein reglementierter Beruf, Sie dürfen also auch ohne deutschen Abschluss beschäftigt werden — viele Betriebe stellen Helferinnen und Helfer ein und bilden sie am Objekt aus. Der Abschluss ist trotzdem der Hebel, der die Eingruppierung und die selbstständigen Positionen öffnet. Es gibt drei Wege: die reguläre duale Ausbildung über drei Jahre, die Umschulung für Erwachsene, die von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter gefördert werden kann, und die Zulassung zur Gesellenprüfung als Externer, für die Sie eine deutlich längere einschlägige Berufspraxis nachweisen müssen und die Sie bei der zuständigen Stelle beantragen. Wenn Sie im Ausland Gärtner gelernt haben, lohnt sich die Gleichwertigkeitsprüfung: Ein Bescheid über die Gleichwertigkeit ist kein Zwang, aber er ist das Papier, mit dem Sie im Gespräch über die Lohngruppe argumentieren können.

Ist Baumpflege dasselbe wie Landschaftsgärtnerei?

Nein, und diese Verwechslung ist gefährlich. Wer im Baum arbeitet, klettert, seilt sich ab und schneidet in der Höhe, übt eine eigene Qualifikation aus: Die Kurse für Baumarbeiten mit der Motorsäge bauen auf einem Grundmodul auf, die seilunterstützte Zugangs- und Positionierungstechnik wird gesondert ausgebildet, und für Baumkontrolle und Baumsanierung gibt es weitergehende Abschlüsse wie den European Tree Worker oder den Fachagrarwirt Baumpflege und Baumsanierung. Dazu kommen harte Regeln aus dem Arbeitsschutz: Technische Schutzmaßnahmen wie die Hubarbeitsbühne haben Vorrang, im Baum arbeitet niemand allein, und es braucht ein Rettungskonzept. Wenn eine Anzeige für Landschaftsgärtner beiläufig „Baumpflege und Kletterarbeiten“ nennt, ohne ein Wort über Ausbildung, Rettung und Ausrüstung zu verlieren, verlangt sie von Ihnen einen anderen Beruf ohne dessen Voraussetzungen.


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