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Jobs als WIG-Schweißer in Deutschland: Prüfung, DVS und EN 1090

· 10 Min. Lesezeit
Schweißer mit Schutzschild bei der Arbeit an einer Schweißnaht

Ein Bewerber sitzt im Vorstellungsgespräch eines Apparatebauers im Rheinland. Vierzehn Jahre WIG, Edelstahl, Behälterbau, saubere Nähte — daran zweifelt niemand im Raum. Der Schweißaufsichtsperson genügt trotzdem ein Blick auf die Prüfungsbescheinigung: Die letzte Bestätigung ist vierzehn Monate alt, der Bewerber hat im letzten Jahr überwiegend Baustahl geschweißt. Die Prüfung für die Werkstoffgruppe der hochlegierten Stähle ist damit nicht mehr gültig, und der Betrieb darf ihn an diesem Bauteil nicht einsetzen. Es folgt kein Nein, sondern ein Termin bei der prüfenden Stelle — aber eben erst in drei Wochen.

Dieser Moment ist der häufigste Stolperstein im deutschen Schweißerarbeitsmarkt, und er hat nichts mit Können zu tun. Wer als WIG-Schweißer in Deutschland arbeiten will, muss verstehen, dass die Schweißerprüfung nach DIN EN ISO 9606-1 kein Abschluss ist, den man einmal erwirbt, sondern ein eng umrissener und regelmäßig zu bestätigender Nachweis. Dieser Leitfaden erklärt den Geltungsbereich und die Verlängerung, ordnet die DVS-Aufstiegswege ein, zeigt, warum die Zertifizierung Ihres Arbeitgebers nach EN 1090 Ihren Bewerbungsradius bestimmt, und übersetzt die Formeln, die in Stellenanzeigen stehen.

Die Schweißerprüfung ist kein Zeugnis über Sie, sondern über eine Naht

Der Geltungsbereich

Das Dokument, das im Betrieb umgangssprachlich noch oft „Schweißerpass“ heißt, ist formal eine Prüfungsbescheinigung, ausgestellt von einer anerkannten prüfenden Stelle nach bestandener Prüfung an einem Prüfstück. Entscheidend ist, was darauf steht. Die Bescheinigung benennt nicht Ihre Person als qualifiziert, sondern einen Bereich von Bedingungen, unter denen Sie es sind. Dazu gehören:

  • Das Schweißverfahren, angegeben als Ordnungsnummer — 141 für das WIG-Schweißen, das im Alltag auch TIG- oder Argonschweißen genannt wird.
  • Die Werkstoffgruppe, also unlegierter Stahl, hochlegierter CrNi-Stahl, Aluminium oder Nickelbasis. Ein Gruppenwechsel bedeutet praktisch immer eine neue Prüfung.
  • Blech oder Rohr sowie die Nahtart, Stumpfnaht oder Kehlnaht, und die Ausführung mit oder ohne Badsicherung.
  • Die Abmessungen, also Werkstückdicke und beim Rohr zusätzlich der Außendurchmesser, jeweils mit einem abgedeckten Bereich darüber und darunter.
  • Die Schweißposition — und hier entscheidet sich, wie breit Ihre Prüfung trägt, denn schwierige Positionen decken einfachere mit ab.

Aus dieser Struktur folgt der Satz, den Personaldisponenten am häufigsten sagen müssen: Erfahrung ersetzt den Geltungsbereich nicht. Wer zwanzig Jahre Rohr geschweißt hat, aber keine gültige Prüfung für Aluminium besitzt, kommt an das Aluminiumbauteil nicht heran, weil der Betrieb sonst seine eigene Zertifizierung gefährdet. Umgekehrt ist es völlig normal, dass ein gesuchter Kollege vier oder fünf gültige Bescheinigungen nebeneinander führt.

Gültigkeit, Bestätigung, Verlängerung

Die Bescheinigung ist kein Führerschein, der stillschweigend weiterläuft. Sie muss alle sechs Monate durch den Arbeitgeber oder die verantwortliche Schweißaufsichtsperson bestätigt werden, mit Unterschrift auf dem Dokument. Bestätigt wird, dass Sie in diesem Zeitraum im Geltungsbereich der Prüfung tatsächlich gearbeitet haben und dass die Arbeit den Anforderungen entsprach. Fehlt die Unterschrift oder haben Sie in dem geprüften Bereich länger als sechs Monate nicht geschweißt, ist die Prüfung erloschen.

Nach Ablauf des vollen Zeitraums, üblicherweise drei Jahre, entscheidet die prüfende Stelle über die Verlängerung. Sie stützt sich dabei auf Nachweise aus der laufenden Produktion, etwa auf Prüfberichte zerstörungsfreier Prüfungen der von Ihnen ausgeführten Nähte. Das ist der Grund, warum ein Betrieb mit ordentlicher Dokumentation für Ihre Laufbahn wertvoller ist als ein paar Cent mehr Stundenlohn: Ohne diese Papiere beginnt jede Verlängerung wieder bei einer vollständigen Prüfung.

Die drei Dinge, die Sie halbjährlich selbst kontrollieren sollten. Erstens: Trägt jede Bescheinigung die aktuelle Unterschrift der Schweißaufsicht? Zweitens: Haben Sie in jedem Geltungsbereich, den Sie behalten wollen, in den letzten sechs Monaten wirklich geschweißt? Drittens: Wann läuft die älteste Bescheinigung ab, und ist der Termin bei der prüfenden Stelle bereits vereinbart? Wer beim Arbeitgeberwechsel eine Lücke einplant, verliert genau in dieser Lücke die Qualifikation, mit der er sich beworben hat.

Verfahren: warum WIG an anderen Stellen gebraucht wird als MAG

Im Alltag konkurrieren die Verfahren nicht, sie teilen sich die Arbeit. Das WIG-Schweißen mit nicht abschmelzender Wolframelektrode und Argon als Schutzgas ist langsam, spritzerfrei und außergewöhnlich gut regelbar. Genau deshalb ist es gesetzt, wo die Naht dünnwandig ist, wo der Werkstoff empfindlich reagiert und wo die Wurzellage im Rohr sitzen und von innen einwandfrei aussehen muss. Bei hochlegierten Stählen und bei Nickelwerkstoffen kommt der Wurzelschutz mit Formiergas hinzu, weil die Innenseite der Naht sonst anläuft und ihre Korrosionsbeständigkeit verliert.

Die produktiven Verfahren übernehmen dagegen die Masse. Bei dickwandigen Rohren ist die klassische Arbeitsteilung „Wurzel WIG, Fülllagen E-Hand oder Draht“ — sie steht so auch in Stellenanzeigen. Wer beide Seiten beherrscht und für beide eine gültige Prüfung vorweist, ist deutlich breiter einsetzbar als ein reiner Spezialist.

Die Ordnungsnummern nach ISO 4063 stehen in Anzeigen und auf Bescheinigungen. P bezeichnet in der Prüfungsbezeichnung das Blech, T das Rohr, BW die Stumpfnaht und FW die Kehlnaht.
VerfahrenTypische Werkstoffe und BranchenErwartete Prüfung
141 — WIG / TIGHochlegierter CrNi-Stahl, Aluminium, Nickelbasis, dünnwandige Rohre. Apparate- und Behälterbau, Rohrleitungsbau, Lebensmittel- und Pharmaanlagen.141 T BW, oft in H-L045; Werkstoffgruppe der hochlegierten Stähle oder der Aluminiumlegierungen
111 — E-HandUnlegierter und niedriglegierter Stahl, Baustelle und Montage, Fülllagen an dickwandigen Rohren.111 P BW oder 111 T BW, Position PF; Werkstoffgruppe der unlegierten Stähle
135 — MAGUnlegierter Stahl in Serie und im Stahlbau, Fahrzeug- und Behälterbau.135 P FW und 135 P BW, Positionen PB und PF
131 — MIGAluminiumlegierungen, Fahrzeugbau, Behälter- und Sonderbau.131 P BW in der Aluminiumgruppe, oft ergänzend zu 141
136 — FülldrahtDickwandiger Stahlbau, Schiffbau, Kranbau, Arbeiten im Freien.136 P BW, Positionen PF und PC; Werkstoffgruppe der unlegierten Stähle

Positionen — der größte Hebel auf Ihrer Bescheinigung

Die Position entscheidet, wie viel Ihre Prüfung abdeckt, und sie ist der einzige Punkt, an dem Sie den Geltungsbereich bewusst breit wählen können, ohne mehrfach zu prüfen. Eine Prüfung in der Wannenlage ist bequem und deckt wenig ab; eine Prüfung steigend oder am geneigten Rohr ist unangenehm und deckt viel ab.

Schweißpositionen nach ISO 6947, wie sie in Anzeigen abgekürzt werden. Die Rohrposition H-L045 gilt als anspruchsvollste Prüfung im Rohrleitungsbau.
KurzzeichenBedeutungWo sie verlangt wird
PAWannenlage, Werkstück drehbar.Serienfertigung mit Drehvorrichtung, Behälterrundnähte
PB / PDHorizontale Kehlnaht bzw. Kehlnaht über Kopf.Stahlbau, Anschlüsse, Konsolen
PCQuerposition an senkrechter Naht.Behälterlängsnähte, Montage am Bauteil
PFSteigend senkrecht.Standardposition bei Bescheinigungen für Bleche und Rohre
PGFallend senkrecht.Rohrleitungsbau mit besonderer Verfahrensanweisung
H-L045Feststehendes Rohr, um fünfundvierzig Grad geneigt.Rohrleitungs- und Anlagenbau, breiteste Abdeckung
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EN 1090: die Zertifizierung des Betriebs bestimmt Ihren Bewerbungsradius

Eine deutsche Besonderheit, die Zugewanderte regelmäßig überrascht: Ob ein Betrieb Sie überhaupt an ein bestimmtes Bauteil lassen darf, hängt nicht nur an Ihrer Prüfung, sondern auch an seiner eigenen Zertifizierung. Wer tragende Bauteile aus Stahl oder Aluminium herstellt und in Verkehr bringt, braucht dafür eine werkseigene Produktionskontrolle und einen Werkseignungsnachweis nach EN 1090. Ohne diesen Nachweis darf das Bauteil die Halle nicht verlassen — ganz gleich, wie gut die Naht ist.

Zu den Voraussetzungen gehören qualifizierte Schweißverfahren mit dokumentierten Verfahrensprüfungen, eine benannte Schweißaufsichtsperson und Schweißer mit gültigen Prüfungen im passenden Geltungsbereich. Der Anspruch steigt mit der Ausführungsklasse des Bauteils: Von der einfachen Klasse für untergeordnete Bauteile bis zu den hohen Klassen für Brücken und Bauteile mit hohem Versagensrisiko nehmen Prüfumfang, Dokumentation und zerstörungsfreie Prüfung deutlich zu. Parallel dazu regelt die Normenreihe DIN EN ISO 3834 die Qualitätsanforderungen an den Schweißbetrieb selbst — in drei Stufen von elementaren über Standard- bis zu umfassenden Anforderungen, wobei die höheren Ausführungsklassen die höheren Stufen verlangen.

Für Ihre Bewerbung bedeutet das zweierlei. Erstens: In einem zertifizierten Betrieb ist Ihre Prüfung unmittelbar produktionswirksam, und genau dort wird auch bereitwilliger in neue Prüfungen und in Verlängerungen investiert. Zweitens: Die Ausführungsklasse ist ein ehrlicher Hinweis auf das Niveau, auf dem Sie arbeiten werden. Fragen Sie im Gespräch ruhig danach — die Frage zeigt, dass Sie das System verstanden haben, und Sie erfahren nebenbei, wie ernst die Dokumentation genommen wird.

DVS: die Aufstiegsleiter neben dem Brenner

Der Deutsche Verband für Schweißen und verwandte Verfahren prägt die Ausbildungslandschaft. Die handwerklichen Lehrgänge führen zur Schweißerprüfung; darüber liegt eine eigene Laufbahn, die aus der Werkstatt in die Verantwortung führt und in der Regel mit international anerkannten Abschlüssen verbunden ist.

  • Schweißfachmann. Der klassische erste Schritt aus der reinen Ausführung heraus. Er qualifiziert für Aufgaben der Schweißaufsicht in einem definierten Rahmen und ist in vielen mittelständischen Betrieben die Schlüsselposition zwischen Konstruktion und Halle.
  • Schweißtechniker. Die mittlere Stufe, üblicherweise auf einer Technikerausbildung aufbauend, mit erweitertem Verantwortungsbereich.
  • Schweißfachingenieur. Die höchste Stufe der Schweißaufsicht; in Betrieben mit hohen Ausführungsklassen und in der Verfahrensqualifizierung praktisch unverzichtbar.

Daneben stehen Zusatzqualifikationen, die den Marktwert unmittelbar heben: der Nachweis als Prüfer für zerstörungsfreie Prüfverfahren, die Qualifikation für das Orbitalschweißen an Rohren sowie werkstoffspezifische Lehrgänge für Nickelbasis oder Titan. Wichtig zur Einordnung: Diese Abschlüsse ersetzen Ihre Schweißerprüfung nicht. Sie beschreiben Verantwortung, nicht Fertigkeit — ein Schweißfachmann ohne gültige Bescheinigung darf die Naht ebenso wenig ausführen wie jeder andere.

Arbeitsschutz: Schweißrauche sind kein Nebenthema

Die maßgebliche Regel für den Alltag ist die TRGS 528 für schweißtechnische Arbeiten. Sie verlangt eine Gefährdungsbeurteilung und eine klare Rangfolge der Maßnahmen: zuerst emissionsärmere Verfahren und Werkstoffe, dann technische Maßnahmen wie eine Absaugung unmittelbar an der Entstehungsstelle und eine wirksame Raumlüftung, dann organisatorische Maßnahmen, und erst am Ende Atemschutz.

Beim Schweißen hochlegierter CrNi-Stähle können Chrom(VI)-Verbindungen entstehen, die als krebserzeugend eingestuft sind; hier gilt ein ausdrückliches Minimierungsgebot. Das WIG-Verfahren erzeugt zwar deutlich weniger Rauch als Elektrode oder Draht, dafür erzeugt der offene, intensiv strahlende Lichtbogen mehr Ozon und eine hohe UV-Belastung — insbesondere beim Aluminiumschweißen. Weniger Rauch heißt also nicht „unbedenklich“, sondern nur: eine andere Gefährdung.

Die persönliche Schutzausrüstung muss der Arbeitgeber bereitstellen, und die Kosten dürfen Ihnen nicht auferlegt werden. Hinzu kommt die arbeitsmedizinische Vorsorge nach der einschlägigen Verordnung: Je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist sie verpflichtend oder muss zumindest angeboten werden, und sie ist Arbeitszeit. Ein Betrieb, in dem die Absaugung defekt in der Ecke steht und niemand nach Vorsorgeterminen fragt, spart nicht nur am Arbeitsschutz — er spart erfahrungsgemäß auch an der Dokumentation, die Sie für die Verlängerung Ihrer Prüfung brauchen.

Branchen: wo WIG-Schweißer tatsächlich gesucht werden

Der Bedarf verteilt sich ungleich, und die Unterschiede sind für die Bewerbung wichtiger als der Stundenlohn.

  • Anlagen- und Rohrleitungsbau. Die klassische Heimat des WIG-Schweißens. Rohrnähte, Wurzellagen mit Formiergas, Arbeiten nach Isometrie, häufig Baustellen- und Revisionseinsätze mit engen Zeitfenstern.
  • Apparate- und Behälterbau. Druckführende Bauteile, hohe Dokumentationstiefe, viel zerstörungsfreie Prüfung — hier zahlt sich eine saubere Nahtqualität unmittelbar aus.
  • Stahlbau. Tragende Konstruktionen, Zertifizierung nach EN 1090, Schwerpunkt eher auf MAG und Fülldraht, WIG punktuell.
  • Fahrzeug- und Sonderfahrzeugbau. Aluminium und dünne Bleche, viel Vorrichtungsarbeit, häufig Serienbetrieb mit festen Takten.
  • Lebensmittel-, Getränke- und Pharmaanlagen. Das anspruchsvollste Segment: hygienegerechte Konstruktion, spaltfreie und nachbehandelte Oberflächen, zwingender Wurzelschutz und häufig Orbitalschweißen an Rohren mit dokumentierten Schweißprotokollen.

Zeitarbeit und Montage: was den Verdienst wirklich ausmacht

Ein erheblicher Teil der Stellen läuft über Personaldienstleister, und das ist nicht automatisch das schlechtere Geschäft — es folgt aber eigenen Regeln. Im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung ist Ihr Arbeitgeber der Dienstleister, nicht der Betrieb, in dem Sie stehen. Das Gesetz setzt dafür Leitplanken: eine Höchstdauer der Überlassung an denselben Entleiher, einen Anspruch auf gleiches Arbeitsentgelt nach einer im Gesetz festgelegten Einsatzzeit, von dem nur ein Branchenzuschlagstarifvertrag abweichen darf, und die Pflicht, Ihnen den wesentlichen Inhalt der Arbeitsbedingungen offenzulegen. Genau diese Branchenzuschläge sind der Punkt, den Bewerber am seltensten ansprechen und der den Unterschied macht: Sie steigen gestaffelt mit der Einsatzdauer beim selben Kunden.

Bei der Montage kommt eine zweite Ebene hinzu. Neben dem Stundenlohn stehen dort eine Montagezulage, eine Auslöse für die Zeit außerhalb des Wohnorts sowie Regelungen zu Übernachtung, An- und Abreise. Steuerlich werden Verpflegungsmehraufwendungen nach Abwesenheitsdauer gestaffelt und können in den gesetzlichen Grenzen steuerfrei gezahlt werden; ob Ihr Betrieb Unterkunft stellt oder erstattet, ist dagegen reine Vereinbarungssache. Rechnen Sie ein Montageangebot deshalb niemals über den Stundenlohn: Zwei Angebote mit identischem Stundensatz können sich am Monatsende erheblich unterscheiden.

Beim Entgelt selbst gibt es keine bundesweite Tabelle für „den Schweißer“. Drei Ebenen liegen übereinander. Die unterste ist der gesetzliche Mindestlohn, der auf Vorschlag der Mindestlohnkommission angepasst wird und für eine geprüfte Fachkraft praktisch nie der Maßstab ist. Darüber liegt der Tarifvertrag, in der Metall- und Elektroindustrie nach Entgeltgruppen und regional unterschiedlichen Tarifgebieten geordnet — hier entscheidet die Eingruppierung, nicht die Berufsbezeichnung. Die oberste Ebene sind die Zuschläge: Schicht, Nacht, Samstag, Sonntag, Feiertag, Montage. Fragen Sie im Gespräch nach drei Dingen, und zwar in dieser Reihenfolge: ob der Betrieb tarifgebunden ist, in welche Entgeltgruppe Sie eingruppiert werden, und welche Zuschläge schriftlich zugesagt sind. Prüfen Sie außerdem den für das laufende Jahr geltenden Mindestlohnbetrag selbst nach, statt sich auf eine Zahl aus einem älteren Ratgeber zu verlassen.

Stellenanzeigen lesen und richtig bewerben

Deutsche Anzeigen für Schweißer sind kürzer und technischer, als Bewerber erwarten. Vier Formulierungen tragen fast die gesamte Information.

  • „Mit gültiger Schweißerprüfung“. Der Betrieb braucht Sie sofort in der Produktion und kann keine Wartezeit überbrücken. Bewerben Sie sich nur mit aktuell bestätigter Bescheinigung.
  • „Prüfung wird gestellt“. Der Betrieb investiert selbst — ein gutes Zeichen, oft verbunden mit Einarbeitung und längerfristiger Perspektive. Für Wiedereinsteiger und für den Wechsel der Werkstoffgruppe ist das die richtige Anzeige.
  • „Rohr H-L045“ oder „Wurzel WIG, Fülllagen E-Hand“. Eine präzise technische Beschreibung des Arbeitsplatzes. Sie sagt Ihnen, welche Position und welche Verfahrenskombination Ihre Bescheinigung ausweisen muss.
  • „Nach EN 1090 zertifizierter Betrieb“ oder eine genannte Ausführungsklasse. Ein Hinweis auf Dokumentationstiefe und Anspruchsniveau — und darauf, dass Ihre Prüfungen dort systematisch gepflegt werden.

Ihr Lebenslauf sollte die Fragen der Schweißaufsicht beantworten, bevor sie gestellt werden. Setzen Sie deshalb einen eigenen Block über die Berufserfahrung und schreiben Sie dort Verfahren mit Ordnungsnummer, Werkstoffgruppen, Blechdicken und Rohrdurchmesser, Positionen sowie zu jeder Prüfung die Nummer der Bescheinigung, das Prüfdatum und die prüfende Stelle. Wer belastbare Zahlen zur Nahtqualität hat, etwa eine niedrige Beanstandungsquote in der Durchstrahlungsprüfung, nennt sie ausdrücklich — das ist die einzige Kennzahl, die im Gespräch sofort verstanden wird. Ergänzen Sie Angaben zu Schichtbereitschaft, Montagebereitschaft und Führerschein; sie entscheiden bei Anlagenbauern häufiger über die Einladung als die Berufsjahre.

Wo Sie gerade WIG-Stellen finden

Die Nachfrage folgt den industriellen Schwerpunkten. Diese Regionen sind für Schweißer derzeit die dichtesten Märkte:

Zusammengefasst

Die Schweißerprüfung nach DIN EN ISO 9606-1 ist kein Abschluss, sondern ein Geltungsbereich mit Verfallsdatum. Behandeln Sie sie entsprechend: Notieren Sie zu jeder Bescheinigung Verfahren, Werkstoffgruppe, Abmessungen und Position, achten Sie auf die halbjährliche Unterschrift der Schweißaufsicht und planen Sie bei einem Arbeitgeberwechsel keine Lücke ein, in der Sie den geprüften Bereich nicht schweißen.

Beim Arbeitgeber zählt mehr als der Stundensatz. Ein nach EN 1090 zertifizierter Betrieb mit ordentlicher Dokumentation, funktionierender Absaugung und selbstverständlicher arbeitsmedizinischer Vorsorge sichert Ihnen nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Nachweise, aus denen die nächste Verlängerung entsteht. Und wenn Sie über Zeitarbeit oder Montage einsteigen, vergleichen Sie das vollständige Paket aus Entgeltgruppe, Branchenzuschlägen, Schichtzuschlägen und Auslöse — nicht die eine Zahl in der Anzeige.

Häufige Fragen

Ist die Schweißerprüfung nach DIN EN ISO 9606-1 ein Abschluss oder ein Beruf?

Weder noch. „Schweißer“ ist in Deutschland kein eigener Ausbildungsberuf; die meisten Kolleginnen und Kollegen kommen aus der Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker, Anlagenmechaniker oder Metallbauer und sammeln die Prüfungen darauf. Die Schweißerprüfung selbst ist ein Fertigkeitsnachweis mit einem eng umrissenen Geltungsbereich: Sie gilt für ein bestimmtes Verfahren, eine bestimmte Werkstoffgruppe, Blech oder Rohr, einen Abmessungsbereich, eine Nahtart und eine oder mehrere Positionen. Die Bescheinigung sagt also nicht „diese Person kann schweißen“, sondern „diese Person hat unter diesen Bedingungen eine normgerechte Naht erzeugt“. Genau deshalb hat ein erfahrener Schweißer oft mehrere gültige Prüfungen nebeneinander.

Wie lange ist meine Schweißerprüfung gültig und was bedeutet die Verlängerung?

Die Bescheinigung läuft nicht einfach still weiter. Sie muss in Abständen von sechs Monaten durch den Arbeitgeber oder die verantwortliche Schweißaufsichtsperson bestätigt werden, und zwar mit Unterschrift auf dem Dokument. Bestätigt wird damit, dass Sie in diesem Zeitraum tatsächlich im Geltungsbereich der Prüfung geschweißt haben und dass die Arbeit den Anforderungen entsprach. Bleibt diese Bestätigung aus oder unterbrechen Sie die Tätigkeit in dem geprüften Bereich länger als sechs Monate, verliert die Prüfung ihre Gültigkeit — unabhängig davon, wie viele Jahre Erfahrung Sie haben. Nach Ablauf des vollen Gültigkeitszeitraums, üblicherweise drei Jahre, entscheidet die prüfende Stelle über eine Verlängerung, die an dokumentierte Nachweise aus der laufenden Produktion geknüpft ist. Der häufigste Grund für eine abgelehnte Bewerbung ist nicht fehlendes Können, sondern eine seit Monaten nicht mehr gegengezeichnete Bescheinigung.

Was passiert mit meiner Prüfung, wenn ich Werkstoff, Rohrdurchmesser oder Position wechsle?

Der Geltungsbereich deckt benachbarte Fälle teilweise mit ab, aber nicht beliebig. Eine Prüfung am Rohr deckt in festgelegten Grenzen auch Blech ab, umgekehrt gilt das nicht; die geprüfte Wanddicke und der geprüfte Durchmesser decken jeweils einen Bereich darüber und darunter ab; und eine schwierige Position wie PF oder H-L045 deckt mehr ab als eine bequeme Wannenlage. Der Wechsel der Werkstoffgruppe dagegen ist fast immer eine neue Prüfung: Wer unlegierten Baustahl geprüft hat, ist damit nicht für hochlegierten CrNi-Stahl oder für Aluminium qualifiziert. Fragen Sie im Zweifel nicht den Vorarbeiter, sondern die Schweißaufsicht des Betriebs — sie trägt die Verantwortung dafür, dass nur Personen mit passendem Geltungsbereich an die Naht gehen.

Warum steht in so vielen Stellenanzeigen im Stahlbau „EN 1090“?

Weil diese Norm nicht Sie betrifft, sondern den Betrieb. Wer tragende Bauteile aus Stahl oder Aluminium in Verkehr bringt, braucht dafür eine werkseigene Produktionskontrolle und einen Werkseignungsnachweis nach EN 1090; ohne diese Zertifizierung darf das Bauteil schlicht nicht ausgeliefert werden. Zu den Voraussetzungen gehören qualifizierte Schweißverfahren, eine benannte Schweißaufsichtsperson und Schweißer mit gültigen Prüfungen im passenden Geltungsbereich. Für Sie als Bewerber hat das zwei praktische Folgen: Erstens ist Ihre Prüfung in einem zertifizierten Betrieb unmittelbar produktionswirksam, weshalb dort auch bereitwilliger in Prüfungen investiert wird. Zweitens ist die Ausführungsklasse des Betriebs ein guter Hinweis auf das Anspruchsniveau — je höher sie liegt, desto strenger sind Prüfumfang, Dokumentation und zerstörungsfreie Prüfung.

Muss ich die Schweißerprüfung selbst bezahlen?

In einem laufenden Arbeitsverhältnis in aller Regel nicht. Ein Betrieb, der eine bestimmte Werkstoffgruppe oder Position in der Fertigung braucht, lässt seine Leute prüfen, weil er die Qualifikation für seine eigene Zertifizierung benötigt — das ist der Grund, warum viele Anzeigen ausdrücklich „Prüfung wird gestellt“ schreiben. Auch Personaldienstleister finanzieren Prüfungen für Beschäftigte, die sie regelmäßig einsetzen wollen. Eigeninitiative lohnt sich vor allem beim Einstieg oder beim Sprung in eine neue Werkstoffgruppe; dann führen der Weg über einen DVS-Kurslehrgang, über Förderungen der Agentur für Arbeit, etwa im Rahmen der beruflichen Weiterbildung, oder über eine Qualifizierung, an deren Ende eine Einstellungszusage steht. Prüfen Sie in jedem Fall, ob die prüfende Stelle anerkannt ist, bevor Sie eine Rechnung begleichen.

Was bedeutet „Rohr H-L045“ in einer Anzeige?

Das ist die Schweißposition am feststehenden, um fünfundvierzig Grad geneigten Rohr — die anspruchsvollste Position im Rohrleitungsbau, weil Sie beim Umrunden der Naht steigend, über Kopf und wannenartig zugleich arbeiten und das Bad die ganze Zeit kontrollieren müssen. Wer diese Position geprüft hat, deckt damit einen großen Teil der übrigen Rohrpositionen mit ab, und das ist genau der Grund, warum Betriebe sie ausschreiben. Steht daneben etwas wie „Wurzel WIG, Fülllagen E-Hand“, beschreibt die Anzeige das übliche Vorgehen an dickwandigen Rohren: die Wurzel wird mit dem gut beherrschbaren WIG-Verfahren gelegt, die produktiveren Lagen darüber mit Elektrode oder Draht. Bewerben Sie sich auf solche Stellen nur, wenn Ihre Bescheinigung die Position wirklich ausweist — das ist einer der wenigen Punkte, die im Vorstellungsgespräch sofort geprüft werden.

Welche Schutzmaßnahmen schuldet mir der Arbeitgeber beim Schweißen von Edelstahl?

Beim Schweißen hochlegierter CrNi-Stähle können Chrom(VI)-Verbindungen entstehen, die als krebserzeugend eingestuft sind. Die TRGS 528 für schweißtechnische Arbeiten schreibt dafür eine klare Rangfolge vor: zuerst emissionsärmere Verfahren und Werkstoffe, dann technische Maßnahmen wie eine Absaugung unmittelbar an der Entstehungsstelle und eine wirksame Lüftung, dann organisatorische Maßnahmen, und erst zuletzt Atemschutz als persönliche Schutzausrüstung. Persönliche Schutzausrüstung muss der Arbeitgeber bereitstellen; die Kosten dafür dürfen Ihnen nicht auferlegt werden. Hinzu kommt die arbeitsmedizinische Vorsorge nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge, die je nach Gefährdungsbeurteilung anzubieten oder verpflichtend ist. Ein Betrieb, in dem die Absaugung defekt in der Ecke steht, ist kein Detailproblem, sondern ein Hinweis auf die Ernsthaftigkeit des gesamten Arbeitsschutzes.


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